Texte

Abschied vom inneren exil
Was ist Bauphilosophie ?
Die Zukunft von der Vergangenheit befreien ?
Die Zarge

Abschied vom inneren exil

die baupolizei
klopft an mein gedankengebäude
stürmt mit amtlichen papieren meine ideenwelt
sperrt die verspielten gedankenbalkone
und erklärt meinen kopf
für überhaupt
unbewohnbar.
Hermann



 Was ist Bauphilosophie ?

"Was'n das?" ist wohl die am meisten gestellte Frage, wenn jemand das erste Mal mit der Bauphilosophie in Berührung kommt. Eigentlich hat schon fast jeder mal was mit BAU und auch mit PHILOSOPHIE zu tun gehabt. Sokrates, Platon, Kant, Schraubenzieher, Bohrmaschine oder etwa Zollstock tauchen immer mal wieder auf, sei es in der Schule, in der Ausbildung, oder wenn man seine Wohnung renovieren will. Man stelle sich vor, Immanuel Kant will seiner Zimmerdecke einen neuen Anstrich verpassen - er nimmt einen Quast, taucht ihn in die Kalkfarbe und wird zum Bauphilosophen!? Hat es sich vielleicht so abgespielt? - war Kant einer der ersten, der unbewusst die Bauphilosophie ins Leben rief? Oder umgekehrt - ein Malermeister soll eine Decke streichen - für ihn wahrscheinlich was alltägliches - nur mit dem Unterschied, daß er diesmal überlegt, welche Farbe er nimmt. Er redet mit seinem Auftraggeber und erklärt ihm, daß dunkle Farben den Raum kleiner erscheinen lassen - so einigt man sich auf eine helle Farbgebung. Zwei kurze Beispiele, die die Bauphilosophie grob umreissen und ein grundlegendes Element derselben darlegen, nämlich: KOMMUNIKATION . Wird der Philosoph zum Bauphilosophen, indem er zum Pragmatiker wird, oder wird der Pragmatiker zum Bauphilosophen, indem er seine geistigen Erwägungen dem anderen offenbart, mit ihm diskutiert und man zu einer Lösung kommt? Beides ist Kommunikation - zuerst die innere, darauffolgend die äußere, die sich in diesem Beispiel als gestrichene Decke manifestiert. Der Philosoph als der "Freund der Weisheit"(Brockhaus) will also in erster Linie kommunizieren - Vorschläge machen, alles einbeziehen, abwägen, die für jeden "beste" Lösung erarbeiten. Er erschafft als erstes Gedankengebäude, dessen Fundament er im Laufe seines Lebens erfährt, erfühlt, erspinnt, erträumt oder erlügt. Ähnlich verhält sich der Bauphilosoph, nur geschieht die Umsetzung seines Gedankengebäudes viel unmittelbarer. Es muß keine ganze geschichtliche Epoche vergehen, damit jemand sagt: "Er hatte Recht - die Dämmung in der Gipskartonwand war die richtige "Entscheidung" (Voraussicht). Aber die Bauphilosophie ist weit mehr als alles vorher Beschriebene. Das Ernsthafte, das der klassischen Philosophie anhaftet, ist für viele hinderlich, es wird jedes Wort auf die Goldwaage gelegt, alles wird ernst genommen - die Zugänglichkeit bleibt auf der Strecke. Die Bauphilosophie findet jetzt statt -. Der sensible Leser wird hier die Moebius-Schleife entdecken, auf der ich mich bewege - die alten Philosophen sagten wahrscheinlich genau dasselbe, hatten denselben Anspruch auf ihr "Jetzt" und irgendwann, vielleicht in 1000 Jahren, liest jemand diese Worte und es erscheint ihm unzugänglich, zu ernsthaft oder einfach zu philosophisch, denn wer weiss schon, ob in 1000 Jahren meine unmittelbare Rigipswand mit Dämmung noch steht, um nachzusehen wie es 2015 um die ( BAU)PHILOSOPHIE bestellt war.
Kerl


 Die Zukunft von der Vergangenheit befreien ? Die Vergangenheit von der Zukunft befreien ?

1.

Zuallererst ist dazu zu sagen: diese Frage kommt zu spät. Zukunft und Vergangenheit sind längst untrennbar miteinander verknüpft. Vielleicht hätte Mensch sie noch voneinander befreien können - wenn das Fernsehen nicht erfunden worden wäre. Oder besser "gefunden" ?
Auch als Forderung wird dies zu spät erhoben. Bis Helmut Schmidt wäre es noch möglich gewesen - hätte sie noch den Hauch einer realisierbaren Chance gehabt. Seit Helmut Kohl sind wir in das genial-grausame Schwarze Loch der Gegenwart gefallen, aus dem auch Schröder kaum ein Entrinnen bietet. Ein Politiker - heller als Licht - ist der Menschheit bisher noch nicht in den Schoß gefallen. Zu allem Überfluß gebietet dieses "Motto" den Verzicht auf Zeitmaschinen - trennen statt zu einen. Kein Mediziner ist gut beraten, der seinen Patienten als eine Ansammlung von Zellen, Organellen, Organen und Nervenkostüm betrachtet. Die Krankheit, deren Heilung hier in der Flucht gesucht wird, heißt Natur, Erde, Mensch, Evolution.
Der Weg "zurück" ist uns verbaut. Jede Mutter ist froh, wenn sie die Geburt hinter sich hat. Sie will den Körper, den sie gebar, nicht wieder in sich aufnehmen. Erst recht schon nicht, wenn er bereits einige Zeit "an der Luft" gewachsen ist. Was also dann? Munter voran. Wir bombardieren Regensburg, zünden Milzbrandgranaten im Londoner Underground und klonen uns selbst. Wie heißt es doch so schön in Genesis 1,27: "Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau." Wohlan. Damit können wir Zecken züchten. Eine Kopie unserer Selbst erschaffen und den "lieben Gott einen guten Mann" sein lassen.
Seit uns die Zeit "gegeben" ist, war sie nie zufällig. Oder wie Meister Eckhart es auszudrücken beliebte: "Der Mensch ist VOR Gott" (schon die Heilige Kirche sah darin - wohl nicht ganz zu Unrecht - Subversion) Alles, was ist, ist wie es ist, weil es so ist. Das gibts auch in der Verlaufsform: Alles, was wird, wird wie es wird, weil es so wird. Das gilt für alle Zeiten und das ist auch gut so. Die klassische Feststellung dieses Tatbestandes lautet: "Alles ist Eins" und der ebenso klassische Umkehrschluß erlaubt "Eins ist Alles". Darauf lassen sich Universen gründen und zur Not auch Urknälle legitimieren. Oder Lottozahlen ermitteln.

2.

R. Buckminster Fuller reiste, wenn er wieder mal zu einem seiner unzähligen Kongresse und Tagungen rings um den Erdball unterwegs war, mit einer Uhr am Handgelenk, die ihm drei Zeiten anzeigte: die erste zeigte ihm die Uhrzeit des Ortes, von dem er gestartet war, die zweite seine augenblickliche und die dritte die Uhrzeit des Ortes, an dem er landen würde.
Zukunft ist immer das, was wir gerade gemacht haben. Vergangenheit ergibt sich immer aus dem, was wir jetzt gleich machen werden.
Jahrtausendelang waren wir es zufrieden, das alles so war wie es war. Als die ersten Fragen auftauchten, erfanden wir uns die Religion, den Glauben an etwas "über" uns. Als auch das nicht mehr vom Fragen abhielt, erfanden wir die Aufklärung, die "Wissenschaft". Damit entstanden gleichzeitig die Museen, da wir die Antworten nicht mehr "über", sondern "unter" uns vermuteten, die wir mit profanen Funden füllten. Womit wir was zum Anfassen hatten. Und schließlich glaubten wir nur noch dem, was wir anfassen konnten. Und als man uns das Anfassen verbot, mußten wir wieder etwas erfinden, an das wir glauben konnten. So entstand die Esoterik.
Mit immer ausgefeilteren Methoden auf immer mehr und neuen Gebieten arbeiten wir mit Hochdruck daran, unsere Vergangenheit in die Gegenwart zu holen. Die Lücken zwischen den aufgefundenen Tatsachen (die solange "Tatsachen" sind bzw. bleiben wie die Mehrzahl von uns an sie glaubt - und sie nicht durch "neuere" "Tatsachen" ersetzt werden) überbrücken wir mit Theorien und Spekulationen, die zu neuen Untersuchungen und Ausgrabungen (oder virtuellen Bestandsaufnahmen) führen, die "Tatsachen" produzieren, die ... so daß das Netz immer enger wird und wir die Hoffnung haben, das in irgendeiner Zukunft die Vergangenheit bis zum fiktiven Big Bang lückenlos aufgeklärt sein wird.
Gleichzeitig gestalten wir durch unsere Tatsachen unser lückenhaftes Zukunftsnetz immer enger, so daß rein mathematisch der Punkt absehbar ist, an dem Vergangenheit und Zukunft im Jetzt Eins sein werden.
[Anmerkung: Was wäre denn, wenn es jetzt schon so ist und immer schon war? Wenn sich eigentlich nichts geändert hat. Wenn die Idee mit der Weiterentwicklung völliger Humbug wäre und es eigentlich immer nur jetzt gibt - egal zu welcher Zeit. Schließlich bleibt jetzt die einzige Zeit, in der wir leben. Und alles andere. Egal, was auch immer wir uns ausdenken, über Vergangenheit oder in Zukunft. Wir rauschen im Leben durch die Zeiten hindurch und wie der Kondensstreifen eines Flugzeugs verliert sich die Erinnerung, das wir hindurchgerauscht sind, in der allgegenwärtigen Bläue des Sommernachmittags.]

Real werden wir diesen Punkt nie erreichen, uns ihm maximal asymptotisch annähern.Wie dem absoluten Nullpunkt, der Lichtgeschwindigkeit oder dem Urknall, an den wir uns immerhin schon auf 10-43 Sekunden herangerechnet haben.

3.

Es gibt also eine Grenze.
Etwas, was wir nicht realisieren können, etwas, von dem wir wissen, das es da ist - immer. Was wir aber nicht fassen können mit keinem unserer Sinne und nicht handgreiflich. Und auch mit dem Denken nicht. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes jenseits und gleichzeitig täglich, alltäglich da, durchdringt unser Dasein so selbstverständlich, das wir selbst es nicht mehr wahrnehmen, nur hin- und wieder ahnen.
Das Leben.

4.

Wir konstatieren, daß das Phänomen, das wir mit der Begrifflichkeit "Zeit" belegen, nur als konsistent erlebt werden kann.
Wir können das Gegenteil behaupten. Wir können behaupten, es gäbe den Echten Zufall. Wir können so tun, als gäbe es keine Vergangenheit, keine Zukunft, eigentlich auch keine Gegenwart. Als sei jedes beliebige X von Uns (?- Wer sind Wir?) manipulierbar. Wir erschaffen uns selbst.
Wir denken (oder träumen) uns ins Hier. Welches "hier"?
Da kommt IKS ins Spiel:

"Es war nur ein Haken an der Sache und das war der IKS -Haken. IKS besagte, daß die Sorge um die eigene Sicherheit angesichts realer, unmittelbarer Gefahr als Beweis für fehlerloses Funktionieren des Gehirns zu werten sei.
Orr war verrückt und konnte fluguntauglich geschrieben werden. Er brauchte nichts weiter zu tun, als ein entsprechendes Gesuch zu machen, tat er dies aber, so galt er nicht länger mehr als verrückt und würde weitere Einsätze fliegen müssen. Orr wäre verrückt, wenn er weitere Einsätze flöge, und bei Verstand, wenn er das ablehnte - doch wenn er bei Verstand war, mußte er eben fliegen. Flog er diese Einsätze, war er verrückt und brauchte nicht zu fliegen, weigerte er sich aber zu fliegen, so mußte er für geistig gesund gelten und war daher verpflichtet zu fliegen.
Die unübertreffliche Schlichtheit dieser Klausel beeindruckte Yossarian zutiefst."
(Joseph Heller, Catch 22)

Hier gibt's aber auch Seltsame Schleifen, Escher'sche Möbiusbänder, mathematische Selbstbezüge und nicht zuletzt physikalische Paradoxien.
Wir befinden uns auf uraltem Terrain. Hier fochten schon Generationen von Materialisten gegen Idealisten, und Deterministen gegen Zufallsgläubige und sonstige Schattierungen. Eine alle befriedigende und jedeN zufriedenstellende Lösung ist bisher nicht gefunden worden.

5.

Also bauen wir uns eine Basis. Eine Art 'Allgemeine Geschäftsbedingungen':

Von Nix kommt nix. (Volksmund)
Energie kann weder erzeugt noch vernichtet werden. (1. Hauptsatz der Thermodynamik)
Entropie-Satz. (3. Hauptsatz)
Unschärfe-Relation. (aus der Quantenmechanik)
...

Diese Liste enthält alle Axiome, mit denen wir versuchen, der Natur auf die Schliche zu kommen. Sie ist zwangsläufig auf alle Zeiten unvollständig, bietet aber eine gute Grundlage für Erkenntnis.
Was bleibt uns denn unter dem Strich an letztendlichen Wahrheiten? 6.

Wenn es denn ontisch-physikalisch unmöglich scheint, der Fragestellung zu entsprechen, so besteht doch die Möglichkeit "virtueller" Einflußnahme. Man kann (zumindest versuchen) die Bilder in den Köpfen zu manipulieren. Man kann die Zukunft z.B. dadurch von der Vergangenheit "befreien", in dem man sie völlig beliebig macht. Es passiert schon jetzt in dieser pluti- medialen Welt. Bilder des 2. Weltkrieges erscheinen - digital coloriert - als Gegenwart. Archäologische Ausgrabungen ("virtuell" per Computer) sondieren in den jetzigen Trümmern. Archäopterix lebt! [Vielleicht eine der nächsten Spielberg-Produktionen..]
Wir können auch Jesus sprechen oder eine Expertenrunde, bestehend aus Skorpion, Mani und Hildegard von Bingen über die Mehrwertsteuererhöhung debattieren lassen.
Da es mit der Bildung - von staatlicher wie privatwirtschaftlicher Seite wissentlich gefördert -bekannterweise bergab geht, sollte es nicht mehr lange dauern, bis kein Mensch mehr unterscheiden kann: was ist Schein - wo bleibt das Sein!?
Ebenso verfährt man mit der Vergangenheit, die von der Zukunft "befreit" wird - auch hier machen wir die Vergangenheit beliebig. Und wie in allen Fällen holen wir beides ins JETZT. Die "Befreiung" bedingt so oder so die totale Gegenwart. Den Terror der Gegenwart. Und bewirkt somit auf jeden Fall die Auflösung, das "Delete" dieses Universums.

7.

Albert Einstein suchte einen großen Teil seines Lebens nach der "Weltformel". Der arme Kerl hätte seine wichtigste Gleichung nur ein wenig "aktualisieren" brauchen.
Denn natürlich birgt sie einen kleinen, marginalen Fehler, der dennoch in seinen Auswirkungen als grandios bezeichnet werden kann. Bezeichnend ist, das die "Aktualisierung" auf der Toilettenwand eines Berliner Cafes zu lesen war. Ein unbekannter genialer Mitmensch schrieb die Formel als Ungleichung: E > mc².
Eine kleine mathematische Modifikation, aber ein enormer Schritt für menschliche Philosophie.
Und somit Weltverständnis.

8.

Womit wir bei der heutigen Betrachtungsweise der Welt wären.
Wir haben nur zwei Möglichkeiten: entweder, die ganze Choose hier hat mal bei 0 (NULL) angefangen - dann nennen wir das big BANG. Oder nicht. Dann nennen wir das Ewigkeit. Im Augenblick dominiert das erstere Modell, aber die Mehrhaltsverhältnisse changieren. Und vielleicht stimmt ja auch beides. So wie Licht als Welle&Teilchen. Oder beides ist Quatsch, weil sich vielleicht die Verhältnisse "objektiv" ganz anders gestalten, als wir das auch immer wahrnehmen könnten. Wir wissen es nicht. Wir haben Argumente, aber keine "Wahrheit".
Sozusagen ein reiner "Indizien-Prozeß".
Da wir merken, das wir "logisch" keine Chance haben, versteifen wir uns auf das Eine: JA, der Urknall hat stattgefunden und die Frage nach dem Davor ist illegitim, gilt' et nicht!. Das schließen wir einfach aus, weil wir sie eh nicht beantworten können. Lieber "rechnen" wir uns zur Planckschen Zahl vor in der Hoffnung, wenigstens ein paar Krümel vom Kuchen abzubekommen.
Aber mal angenommen, es sei so.
Dann kann es natürlich kein DAVOR gegeben haben und somit ist die Frage illegitim. Logo.
[Die indische Rig-Veda umgeht das Problem sehr elegant: "Da war nicht Nichtsein, und da war auch Sein nicht."]
In diesem "Explosionsmoment" im (nicht-) Nichts als plötzlich etwas Seiendes entstand all das, was wir heute zu kennen glauben. Sagt das Urknall-Modell (ich laß jetzt mal alle Varianten von Standard-Modell über .. bis Inflations-Modell beiseite).
Es entstanden Ursache und Wirkung, Zeit und Raum, Sonne, Mond und Erde und all die ganzen Sterne.
Das die Zeit dabei untrennbar mit dem Raum zusammenhängt (und von daher eigentlich nicht einzeln betrachtet werden dürfte, wenn nicht immer der Raum mitgedacht wird und somit mitargumentiert), nahmen auch vor Einstein einige Menschen wahr.
Einer dieser Menschen - Carl von Clausewitz - formulierte es folgendermaßen:

"Es steht aber im Kriege wie überhaupt in der Welt alles im Zusammenhange, was einem Ganzen angehört,..."

Seit dem fiktiven Urknall steht alles im Zusammenhang, was ihm angehört.
[Vielleicht sollten wir den "Urknall" tatsächlich als einen der unendlich vielen Namen GOTTES auf die endlose Liste eintragen lassen. Ich hoffe, es wird dezidiert Buch geführt..!]
Und wenn Alles mit Allem zusammenhängt, dann befinden wir uns in einem Geschlossenen System, aus dem es kein Entrinnen gibt. "Offen" daran ist nur, was Gleich geschieht, weil wir nicht alle Faktoren überblicken können. Aber es gibt immer einen Grund dafür !
(Das bedeutet aber auch, das Gott tot ist, - und das nicht erst seit Nietzsche - weil er dann nur der Erste Beweger war und seitdem nix mehr gemacht hat.)
Aus diesem Grund funktioniert auch das "EPR-Paradoxon". Natürlich entscheidet die Tatsache, das ich hier gerade den Buchstaben "T" drücke, darüber, das es im Restaurant am Ende des Universums heute nur Fisch beim Betrachten des immerwährenden Urknalls gibt.
Und diese Informations-Übermittlung geschieht definitiv schneller als Licht. Sie geschieht "simultan". (Einige der dabei entstehenden "Koinzidenzen" belegte C.G.Jung dann mit dem Begriff "Synchronizität").
Und da kommen wieder die alltäglichen Ungereimtheiten ins Spiel.
Die "Friktionen" - wie Clausewitz es nannte. Die "Reibung", "Wärme", "Entropie" aus der Physik. Die "Unschärferelation" aus der Quantenphysik, die "Offenen Systeme" aus der interdisziplinaren Wissenschaftsphilosophie und -theorie.
Und die gleichzeitige Unmöglichkeit unseres in sich geschlossensten Systems - der Mathematik - mit den eigenen Mitteln einen "echten" Zufall zu generieren.

Die Anerkennung der Begrenztheit und ewigen Unvollständigkeit alles auch nur möglichen menschlichen Wissens, nur vom Menschen denk = vorstellbaren Wissens.
Wir unterliegen halt der Schwäche, an unser "Wissen" zu glauben. Das wissen wir wiederum. Wir wissen um unser "Wissen" wie um unser Nichtwissen, unseren "Glauben". Manche "wissen" nicht um ihren Glauben. Sie glauben einfach. Alles andere ist des Teufels. Punkt.
Andere wissen um's Glauben oder glauben zu wissen.
Oder sie scheren sich einen Dreck darum.

9.

Ich sprach davon, das der Punkt vorstellbar ist, an dem Vergangenheit und Zukunft im Jetzt Eins sein werden. Und dann? Vielleicht können wir ja dann die Vergangenheit von der Zukunft befreien und die Zukunft von der Vergangenheit. Aber da das im Jetzt passieren würde, würden wir uns von uns selbst befreien. Und damit würde es uns nie gegeben haben.
Wir befreien die Zeit von sich selbst und uns damit von der Zeit. Wir machen uns unsterblich, doch leider nur im Geiste als Geister. Wir lösen dieses Universum auf und bauen uns ein neues. Ein "besseres"? Ein "anderes"? Schaffen wir uns den Menschen nach unserem Ebenbilde? Das er unsere Schöpfung auflöse und eine neue baue? Und wozu das ganze dann?

Eine Meldung aus Spektrum der Wissenschaft, Ausgabe 12/98:

"Zeitpfeil entdeckt.
Bei der Kollision von Protonen mit Antiprotonen entstehen in seltenen Fällen auch Kaonen, die sich in ihre Spiegelteilchen, die Antikaonen, umwandeln. Wie Physiker der CPLEAR-Gruppe am Europäischen Laboratorium für Teilchenphysik CERN bei Genf nach Auswertung mehrjähriger Versuche feststellten, verläuft die umgekehrte Reaktion mit anderer Häufigkeit. Wenn sich jedoch in einer Reaktion Materie nicht mit Antimaterie vertauschen läßt, dann läßt sich nach einem Naturgesetz auch die Zeitrichtung nicht umkehren - ein klarer Beleg, daß sich bereits auf der Ebene der physikalischen Grundgesetze Vergangenheit und Zukunft voneinander unterscheiden."
(CERN, 6.11.1998)

10.

Letztendlich bleibt nur noch die Frage: cui bono?
Ich habe fertig.
Ecka


 Die Zarge

"Ey, Meister... die Tür klemmt" schallte es aus dem Nebenraum. Es war dieser typische Raumklang, der leeren Wohnungen so eigen ist - man hört alles sehr klar - der Bit, der durchdreht, röhrt wie ein Hirsch in der Brunft, jede Spaxschraube, die von der Leiter fällt, klickt im Ohr, vom Innenhof kommen menschliche Töne aller Art.
"Musste die Türbänder drehen bis se passt" war die knappe Antwort, die, wie es schien, aus der Küche kam.
Ein leises knirschähnliches Geräusch verriet die Drehung der Türbander, gefolgt von Holz, was irgendwo anzustossen schien.
"Mensch.. pass uff... sonst kannste die Tür noch verspachteln" raunte es durch den Raum.
Aus der Küche war sonst nichts zu hören, bis auf ein kleines Radio, das irgendetwas von einem grossen Vergnügungspark erzählte, gefolgt von leichter Musik und Tips für den Sommerurlaub.

Tttsssssss.. zischte es.. die Tonhöhe variierte.. schschtttsss aha.. da wird gelötet. Seit 3 Tagen gabs kein Wasser in der Wohnung, weil die Klempner mal wieder voll daneben gehauen hatten - Überschwemmung im Keller - im Wasserwerk musste der ganze Strang abgestellt werden.. naja .. halt Klempner.. können auch nichts dafür.. wer Klempner wird, is selber schuld.
"Ey.. geh ma in Keller und stell Wasser an.. dann können wa endlich mal aufs Klo hier und haben Wasser".
"Moment noch.. die Tür is noch nich drin" kam es von irgendwo her.
"Scheisse.. die passt nich.. wo issn der dicke Hammer?"
FFffftttt. Der Meister hatte das Gas ausgestellt und machte sich auf den Weg um die Tür zu begutachten. Begleitet von Barry Manilow polterte er durch den Flur.
"Las mal sehen... haste die Bänder ordentlich angezogen?" Für einige Sekunden stand die Frage im Raum, nur Barry Manilow war da und konnte sie auch nicht beantworten. Beide fingen an die Tür hinundher zu ruckeln, aber es passierte nichts - die Tür wollte nicht passen.
"Haste mal die Zarge überprüft?" fragte der Meister vorwurfsvoll.
"Die hast du doch eingebaut... wat soll ick'n da noch groß messen!" schoss es zurück.
Der Meister strich sich übers Gesicht.
"Vertrauen is gut - Kontrolle is besser.. hä.. "
Arschloch.. dachte der Geselle und hielt die Waage an die Zarge. "Ey.. die is ja total ausm Lot... wie soll ick'n die Tür da reinkriegen?"
Stille... der Meister steckte sich eine an und nahm einen tiefen Zug. Er überlegte. Die Zarge war eingegossen.. Scheisse... die ganze Wand aufstemmen... hhmm..." o.k.. hol dir den Kangohammer und stemm die Wand auf.. und mach hinne.. ich muss Wasser anschliessen.. keine Zeit" und zack, war er auch schon wieder in der Küche, wo ein Interview mit einem Theaterintendanten die Frage beantworten sollte ob das Theater am Ende sei.
Kurz bevor diese Frage beantwortet wurde, knatterte der Kango los - alles vibrierte - der lockere Putz schneite von der Decke, und 10 Minuten später war die Zarge einseitig aus der Wand gelöst. 5 Minuten Zigarettenpause.
Kerl